Katamaran ab Lagos: das ruhigste Boot der Flotte – und was es nicht kann
Aktualisiert 9. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
In der Marina de Lagos liegen zwei völlig verschiedene Bootstypen nebeneinander. Das eine ist ein schmales, offenes Boot, das durch die Felsbögen der Ponta da Piedade fädelt. Das andere ist ein Katamaran: breit, flach, mit Schattendeck und Netz zwischen den Rümpfen. Er ist in fast jeder Hinsicht das angenehmere Boot – und er kommt nicht in die Grotten hinein.
Wer das weiß, bucht ihn richtig. Wer es nicht weiß, steht nach zweieinhalb schönen Stunden am Steg und ärgert sich, dass er die Höhlen nur von außen gesehen hat.
Vorbei heißt vorbei
Die meistgebuchte Katamaranfahrt ab Lagos heißt “Lagos: Piedade-Höhlen & Küste – Katamaran”, kostet ab 23,20 €, dauert 2,5 Stunden und steht bei 4,7 Sternen aus 1.899 Bewertungen. Der Anbieter beschreibt sie so: “Kreuzfahrt mit dem Katamaran von Lagos nach Praia da Luz, vorbei an den Meereshöhlen der Ponta da Piedade, mit einem Badestopp”.
Lies das Wort “vorbei” wörtlich. Es steht da, weil es stimmt.
Die Route führt aus der Marina die Bensafrim-Mündung hinaus, dann nach Westen: an Praia Dona Ana und Praia do Camilo entlang, um die Felsnadeln der Ponta da Piedade herum, weiter an Canavial und Porto de Mós vorbei bis zur schwarzen Felswand von Praia da Luz, rund sechs Kilometer westlich von Lagos. Das ist die schönste Küstenlinie, die Lagos zu bieten hat – aber sie wird aus einigem Abstand befahren. Ein Rumpfpaar von mehreren Metern Breite passt in keine Durchfahrt, egal bei welchem Wasserstand. Welcher Bootstyp wie weit hineinkommt, steht ausführlich in Welches Boot kommt wirklich in die Grotten.
Zwei Rümpfe, ein flaches Boot
Der bauliche Vorteil ist kein Marketing: Ein Katamaran steht auf zwei weit auseinanderliegenden Rümpfen und legt sich deshalb kaum auf die Seite. Wo ein schmales Einrumpfboot in der Dünung vor der Ponta da Piedade hüpft und rollt, hebt und senkt sich der Katamaran eher, als dass er kippt.
Das ist der eigentliche Grund, warum diese Boote bei Familien, älteren Gästen und allen, die zu Seekrankheit neigen, die verträglichste Wahl sind. Wichtig vor Lagos: Nachmittags frischt der Nordwestwind an dieser Ecke der Algarve regelmäßig auf, und Richtung Westen wird die See offener, weil die Küste hier schon zum Cabo de São Vicente hin abbiegt. Die Vormittagsfahrt ist meist die ruhigere. Wenn jemand aus der Familie empfindlich ist, klärt das die Apotheke oder der Kinderarzt vor der Reise.
Was an Bord üblicherweise da ist
Auf den Katamaranen ab Lagos gehören dazu üblicherweise: ein Schattendeck oder Sonnensegel, Sitzplätze mit Lehne, Platz zum Aufstehen und Umhergehen, meist eine Toilette an Bord, dazu das gespannte Netz zwischen den Rümpfen, auf dem sich am Bug liegen lässt. Auf einem 75-Minuten-Grottenboot gibt es davon in der Regel nichts.
“Üblicherweise” ist hier keine Floskel: In der Kategorie stehen 15 Angebote verschiedener Anbieter mit verschiedenen Booten. Ob Toilette, Schatten und Schwimmwesten in Kindergrößen tatsächlich da sind, steht auf der jeweiligen Buchungsseite – dort nachsehen, nicht darauf vertrauen. Dasselbe gilt für Barrierefreiheit: Ein breites, flaches Deck wirkt zugänglich, aber über den Zugang entscheiden der Schwimmsteg in der Marina und der Einstieg an Bord. Wenn ein Anbieter sie angibt, vorher bestätigen lassen.
Ein Mindestalter gibt es nicht einheitlich; die Anbieter setzen unterschiedliche Grenzen – was gilt, steht auf der jeweiligen Buchungsseite.
Der Badestopp ist der eigentliche Inhalt
Zweieinhalb Stunden mit Ankern und Schwimmen sind ein anderer Vormittag als 75 Minuten Fels anschauen. Der Katamaran hält an der Küste zwischen Porto de Mós und Praia da Luz, der Motor geht aus, und dann liegt man eine Weile. Das ist der Punkt, für den man bucht – nicht die Höhlen.
Eine Warnung dazu: Das Wasser vor Lagos ist Atlantik, nicht Mittelmeer. Auch im Hochsommer ist der erste Sprung deutlich kühler, als das Bild vom türkisen Wasser vermuten lässt. Wer schnell friert, packt ein Handtuch mehr ein.
Preis: pro Stunde die günstigere Fahrt
Der Vergleich sieht schlecht aus und ist es nicht. Die klassische Ponta-da-Piedade-Bootstour gibt es ab 16 €, die meistgebuchte 75-Minuten-Variante kostet 17,40 €. Der Katamaran startet bei 23,20 €. Der Median liegt in beiden Kategorien bei 40 €.
Rechnet man auf die Stunde herunter, dreht sich das Bild: 23,20 € für 2,5 Stunden sind gut 9 € pro Stunde, 17,40 € für 75 Minuten sind knapp 14 €. Der Katamaran ist pro Stunde die günstigere Fahrt. Man kauft nur etwas anderes – Zeit auf dem Wasser statt Nähe zum Fels.
Die zweite große Katamaranoption ist “Lagos: Delfine und Benagil-Höhlen im Katamaran” mit Meeresbiologe als Guide, 32 €, 2,5 Stunden, 4,4 Sterne aus 2.153 Bewertungen. Das ist die schwächste Bewertung unter den beliebten Bootstouren im Bestand, und eine Frage drängt sich auf: Benagil liegt rund 35 Kilometer östlich von Lagos – Portimão ist der deutlich nähere Hafen. Ein Katamaran ist kein schnelles Boot. Was in 2,5 Stunden ab Lagos realistisch erreicht wird, sollte man auf der Buchungsseite genau lesen; die Rechnung dahinter steht in Von Lagos nach Benagil. Wer es auf Tiere abgesehen hat, ist bei den Delfintouren ab 28 € besser bedient.
Wann der Katamaran die falsche Wahl ist
Nicht buchen, wenn du die Grotten von innen sehen willst. Nicht buchen, wenn du nur eine Stunde Zeit hast. Nicht buchen, wenn du fotografieren willst und dafür nah an den Fels musst – aus Abstand sieht die Ponta da Piedade aus wie auf jeder Postkarte, aus drei Metern wie nirgends sonst. Und vor allem nicht, wenn dies dein einziger Bootsausflug in Lagos ist. Dann gehört der Termin dem kleinen Boot.
Welches Boot für wen
- Grottenboot (ab 16 €, 75 Minuten): erster Besuch, Fotos, Durchfahrten, wenig Zeit.
- Katamaran (ab 23,20 €, 2,5 Stunden): Familien mit kleinen Kindern, empfindliche Mägen, Schattenbedarf, Badestopp, zweiter Besuch in Lagos.
- Kajak (ab 27,30 €): maximale Nähe, wenn Nasswerden kein Problem ist.
- Segeltörn (ab 26,25 €) oder Sonnenuntergangsfahrt (ab 30 €): wenn die Stimmung wichtiger ist als das Ziel.
Die ehrlichste Reihenfolge für vier Tage Lagos: erst das kleine Boot in die Grotten, dann den Katamaran zum Baden. Umgekehrt bleibt ein Loch im Urlaub, das sich nicht mehr füllen lässt.